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Objektbericht Wohn-und Geschäftsgebäude, Am Viadukt

Foto: Matthias Lüffe

Kommunikation mit dem Bestand

Wohn-und Geschäftsgebäude Am Viadukt, Aachen

Fassade
Klinker-Riegelformat

Objektbericht
Pressemitteilung
Erweiterung eines Bürogebäudes in Aachen
Bauaufgabe war die Erweiterung des Altbaus des Architekturbüros Plischke-Lühring Architekten, situiert nahe des Aachener Hauptbahnhofes am Alten Viadukt mit seinen gigantischen Ziegelbögen. Die Dimension des Neubaus und die Wahl des Fassadenmaterials Klinker, insbesondere die Farbe des gebrannten Tons, resultieren aus der Einbindung in den städtebaulichen Kontext und dienen der Identitätsstiftung des industriell geprägten Ortes „Am Viadukt“. Drei kommunizierende ZiegelBauwerke (Viadukt, Altbau und Neubau) stehen sich jetzt in einer Trilogie gegenüber – jedes mit seiner eigenen Historie und Formensprache, sowohl in der Architektur als auch in Ziegelformat- und Verband.

Ziegel verbindet
Der Altbau, ein ehemaliges Fabrikgebäude und jetzt denkmalgeschütztes Architektur-Bürohaus wurde 2003 vollständig saniert. Die rauhen, rot-bunt gebrannten Ziegel der Wände zeigen sowohl außen als auch innen stets die tatsächliche Massivität der alten Fabrik. Tiefe Fensterlaibungen und die Gliederung der Fassaden, u.a. durch gemauerte Stürze, Pfeiler, Lisenen und dekorative Gesimse rhythmisieren die Altbaufassade; sie lebt von ihrer ausgeprägten Plastizität, - dem ständigen Wechsel von Licht und Schatten. Dem gegenüber steht das Konzept für Konstruktion und Erscheinungsbild der Fassade des Neubaus: minimalistisch, flächig-massiv. Das Oberflächenmaterial Ziegel und die Farbe sind im Kern zwar gleich, die Verarbeitung und der gestalterische Einsatz jedoch völlig verschieden. Hier nämlich fungiert der Ziegel bzw. Klinker mit seiner Fuge als Hülle, die nach dem heutigen Stand der Technik als hinterlüftete, vorgesetzte Fassade errichtet ist. Flächenbündig in Stein und Fuge legt sie sich wie eine rauhe, rote Haut um den minimalistischen Kubus. Der „wilde Verband“ und das feine, elegant gestreckte Riegelformat unterstützen die Idee der Oberfläche als Hülle.

Scheinbare Massivität
Die Architektur dieses voluminös scharfkantigen Körpers aus Ziegel suggeriert insgesamt Massivität, aber eben nur “suggeriert“. Das Paradoxon der scheinbaren Schwere demonstrieren große Einschnitte in den Kubus, gelöst z.T. mit Hilfe von unterschiedlichen Ziegel-Fertigteilen. So trägt z.B. die frei schwebende Ecke im Eingangsbereich drei Geschosse. Klassisch gemauert eine statische Unmöglichkeit. Scheinbar eingestülpt drückt sich die Ziegelhülle in den Körper; abgehängte Fertigteil-Ziegeldecken ermöglichen dies. Ähnlich verhält es sich mit dem Panoramafenster in der Eingangsfassade. Eine 2,50 x 5,70 m große Glasscheibe liegt außen bündig in der Ziegelfläche und spiegelt das gegenüber liegende Viadukt mit seinen Ziegelbögen gleichsam einem Gemälde in den Straßenraum, und schließt hiermit den Kreis des Verbundes zwischen den Ziegelbauten.
Der schlanke Ziegel in Kombination mit dem Verband schafft an der fast quadratischen Frontfassade zum Viadukt hin eine zurückhaltende, feine kleinteilige Fläche, ein willkommener Ruhepunkt als Kontrast zur formenfrohen, aufgeregten Umgebung. Anders verhält es sich bei der Seitenfassade mit ihrem Spiel aus hochformatigen, scheinbar herauskippenden Fensterlaibungen im Gegensatz zu der durch das Riegelformat betonten Horizontalität der Fassade. Der Standort des Haupteingangs lässt die Dynamik dieses schmalen langen Klinkerformats besonders deutlich werden.

Die völlig neue Interpretation eines Ziegelmauerwerks, das sich von traditionellen bauhandwerklichen und bautechnischen Regeln emanzipiert hat, schafft ein Spannungsfeld, das dennoch nicht trennt, sondern Alt- und Neubau über die gemeinsame Sprache von Form und Materialität kommunizieren läßt.